Waldkindergarten Brühl : Rundum lebendig

Inhaltsverzeichnis 

  1. Leitlinien
  2. Der Verein Waldkindergarten Brühl e.V.
  3. Kurzübersicht Waldkindergarten
  4. Der Wald
  5. Die Gemeinschaft: Kinder, Erzieher, Eltern
  6. Die gemeinsame Bildungsaufgabe

 

1 Leitlinien
Jedes Kind steckt voller Ideen und voller Lebenskraft. Diese zu entdecken und in der Gemeinschaft mit Natur und Menschen zu entfalten, sehen wir als Voraussetzung für ein aktives und glückliches Leben. Wir möchten die Kinder in ihrer Zeit in unserem Kindergarten darin unterstützen, rundum lebendig zu sein. Der Wald ist dabei ein Erlebnisraum für vielerlei körperliche und sinnliche Erfahrungen und bietet reichhaltiges Material für die verschiedenen Entwicklungsbereiche der Kinder. 

Der Wald lockt zum Abenteuer. Der Wald gibt Unterschlupf. Der Wald fordert heraus. Der Wald lässt mich sein wie ich bin. Der Wald ist lebendig.

 

Wurzeln und wachsen

Jedes Kind ist eine Persönlichkeit. Wenn Kinder mit sich selbst und den eigenen Zuständen vertraut werden und lernen damit umzugehen, können sie stark werden und als Mensch wachsen – wie ein Baum, der tiefe Wurzeln schlägt. Wenn Kinder forschen und lernen können, entwickeln sie automatisch ihre individuellen Fähigkeiten – wie ein Baum, der Nahrung und Licht erhält. Im Wald mit seinem bunten Angebot begleiten und leiten wir die Kinder auf diesem Weg. 

Ich lausche dem Regen im Blätterdach. Ich schaukele im Sonnenschein. Ich friere. Ich klettere, balanciere, baue und forsche. Ich male und singe. Ich kenne mich aus.

 

Gemeinsam sein

Jedes Kind hat seinen Platz im Leben. Im Wald erleben die Kinder sich selbst als Teil der Natur. Sie werden angenommen, so wie sie sind. Bei den gemeinsamen Abenteuern und Spielen in der Gruppe erfahren sie Zustimmung und Ablehnung, Fremdheit und Geborgenheit. Die Kinder lernen, andere auszuhalten, anzunehmen und einzubeziehen. Jeder kann sich einbringen, alle achten aufeinander. Wir begleiten sie und sind ein Teil dieser Bildung- und Lerngemeinschaft. Auch die Eltern gehören dazu. 

Wir hören uns zu und gehen gemeinsam. Wir sind Wölfe und Hasen, Riesen und Zwerge. Wir streiten und vertragen uns. Wir geben aufeinander acht. Wir feiern gemeinsam. Wir teilen Freud und Leid im Wechsel der Jahreszeiten.

 

Liebevoll die Welt gestalten

Jedes Kind verändert die Welt. In der Natur können die Kinder unmittelbar erfahren, dass ihr eigenes Handeln Wirkungen hat. Durch Gespräche und Impulse vermitteln wir Aufmerksamkeit und Achtung gegenüber allen Lebensformen. Mit den Tieren und Menschen in der Natur findet jedes Kind immer wieder neue Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden und positiv zu gestalten. Dies erleben die Kinder meist als große Freude. Im Wald schließen sie Freundschaft mit dem Leben und entwickeln so ein natürliches Verantwortungsbewusstsein und ein lebendiges Interesse für die Welt. 

Wir atmen dieselbe Luft und baden gemeinsam im Sonnenlicht. Wir pflanzen einen Baum und bauen Häuser für Insekten. Wir essen die Kräuter des Waldes und schützen seine Tiere. Wir gestalten ein Stück Welt.

  

1 Der Verein Waldkindergarten Brühl e.V.

Der eingetragene Verein Waldkindergarten Brühl ist anerkannter Träger der freien Jugendhilfe und wird zu 96% aus öffentlichen Mitteln finanziert. Der Zweck des Vereins ist in erster Linie der Erhalt und die Förderung der Kindergartengruppe. Jeder kann Mitglied werden. 

Am 1. September 2002 gründeten mehrere Eltern den offiziellen Verein Waldkindergarten Brühl e.V.als Elterninitiative. Zwei Tagesmütter gingen damals bereits regelmäßig vormittags mit ihren Kindern in den Wald. Zusätzlich organisierten die Vereinsmitglieder eine Eltern-Kind-Waldspielgruppe und arbeiteten währenddessen weiter an dem Aufbau eines Kindergartens.

 

2004 wurde der Verein als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt und erhielt die offizielle Betriebserlaubnis für eine Kindergartengruppe. Im September 2004 starteten die ersten 15 „kleinen Molche“ zu ihren Waldabenteuern. Seitdem entwickelt sich der Waldkindergarten Brühl immer weiter. 

2010 erweiterte der Verein sein Angebot um die „Waldhüpfer“, eine regelmäßige Vormittagsspielgruppe für Ein bis Dreijährige. 

 

2 Kurzübersicht Waldkindergarten

 

2.1 Gesetzliche Grundlagen

Gesetzliche Grundlage des Waldkindergartens ist das Kinderbildungsgesetz NRW (Kibiz). Die pädagogische Arbeit orientiert sich an der Bildungsvereinbarung NRW.

 

2.2. Standort und Unterkünfte

Das „Basislager“ der Kindergartengruppe befindet sich am Waldrand nahe dem Wasserturm in Brühl. Auf einem großen ehemaligen Sandspielplatz stehen „Lotte“ und „Waldemar“, unser Bauwagen und unser kleines Holzhaus. Sie beherbergen Spielmaterial, Bücher, Kuschel- und Schlafplätze, Toiletten, einen Ofen und eine Küche. Hier starten und enden die Waldabenteuer, hier essen die Kinder zu Mittag und halten Mittagsschlaf, hier schlüpfen alle unter, wenn die Wetterbedingungen es verlangen.

 

2.3 Der Wald und die Waldplätze

Der Schauplatz des Waldkindergartens ist das Waldgebiet Kottenforst-Ville, ein weitläufiger, bewirtschafteter Mischwald im ehemaligen Braunkohlegebiet. In unterschiedlichem Abstand zum „Basislager“ hat die Kindergartengruppe hier ihre Waldplätze, die sie ganz nach Wunsch abwechselnd besuchen kann. Es gibt zum Beispiel das „Pilzeland“, den „Affenplatz“, die „Elfenhöhlen“ und andere. Die Plätze sind mit dem zuständigen Förster abgestimmt und werden regelmäßig hinsichtlich der Sicherheit untersucht.

 

2.4 Ausrüstung bei den Waldtouren

Bei den Waldtouren trägt jedes Kind seinen eigenen Rucksack mit Sitzmatte, Frühstücksdose, Getränk und Handtuch. Zusätzlich wird meist ein Bollerwagen mitgenommen für Bastel- und Malsachen, Werkzeuge, Wickeltasche, Wechselwäsche, Erste-Hilfe-Koffer und auch für den Transport von Kleidungsstücken, die ausgezogen wurden, weil es zu warm wurde.Für Kinder, die gern ein Vormittagsschläfchen halten, gibt es auch noch einen Fahrradanhänger, der mit Fellen und Decken als mobile Schlafstätte dient.

 

2.5 Kindergartengruppe – „Die kleinen Molche“

Die Kindergartengruppe besteht aus 20 (bis 22) Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren. Dabei versuchen wir, auf eine gute Altersmischung und ein ausgewogenes [5] Verhältnis von Jungen und Mädchen zu achten. Kinder unter drei Jahre sind höchstens vier in der Gruppe (siehe Extrapunkt). Für den Besuch des Waldkindergartens braucht ein Kind keine besondere Qualifikation.

 

2.6 Personal

Zurzeit beschäftigt der Kindergarten vier pädagogische Fachkräfte, eine von ihnen in Leitungsfunktion. Die Kindergruppe wird regelmäßig von drei Erzieherinnen begleitet. Alle Erzieherinnen verfügen über naturpädagogische Qualifikationen, die sie sich zum Teil während ihrer Tätigkeit in unserem Kindergarten berufsbegleitend erworben haben. Es gibt einen lebendigen Austausch mit anderen Natur- und Waldkindergärten sowie Weiterbildungen. 

Zusätzlich zu den vier festen Erzieherinnen kommen immer wieder Praktikanten in den Waldkindergarten.

 

2.7 Betreuungszeiten/Öffnungszeiten

Der Kindergarten ist von Montags bis Freitags jeweils von 8-15 Uhr geöffnet. Wir bieten nur Plätze für 35 Stunden pro Woche an. Lediglich Kinder, die jünger als drei sind, können im ersten Kindergartenjahr für 25 Stunden angemeldet werden. 

Der Kindergarten schließt im Sommer für drei Wochen, in der Regel die letzten drei Wochen der Schulferien. Im Winter wird der Kindergarten mit Beginn der Weihnachts-Schulferien zwei Wochen geschlossen.

 

2.8 Mittagessen

Das Mittagessen wird vom nebenan liegenden Wasserturm-Restaurant frisch gekocht und angeliefert. Die Kinder essen im Holzhaus Waldemar. Jeweils wochenweise bis zum Mittwoch der vorangehenden Woche können die Eltern ihr Kind für die Tage anmelden, an denen es im Kindergarten zu Mittag isst. 

2.9 Beiträge

Die Eltern zahlen an die Stadt Brühl die üblichen einkommensabhängigen Beiträge. Zusätzlich müssen z.Zt. 28 Euro an den Verein gezahlt werden. Diese Summe errechnet sich aus den 4% der Kosten, die dem Verein Waldkindergarten als freier Träger nicht von der Stadt erstattet werden. Das Mittagessen ist in diesen Kosten nicht enthalten und wird gesondert abgerechnet. 

2.10 Zuckerfreier Kindergarten

Seit 2011 ist der Waldkindergarten Brühl zuckerfreier Kindergarten. Bis zum Mittagessen verzichten wir auf jeglichen Zucker. Am Vormittag verzehren die Kinder ihr mitgebrachtes vollwertiges Frühstück und ungesüßte Getränke. 

 

3 Der Wald

 

3.1 Wie Kinder den Wald erleben

Für unsere Vorfahren war der Wald ein wichtiger Lebensraum. Er bot ihnen Schutz und Nahrung, jedoch steckte er auch voller Gefahren. Heute ist der Wald gelichtet und gezähmt - aber seine Ruhe, seine Kraft und sein Zauber sind ungebrochen. Für die Kinder ist der Wald ihr Freund und ihr Lehrer. Er lockt zu Abenteuern und hat viel Zeit. Er lässt sie staunen und fordert sie heraus. Er gewährt Unterschlupf und reichhaltiges Spiel- und Forschungsmaterial. Vor allem aber ist er lebendig und lässt jedes Kind so sein wie es ist.

 

3.2 Wie wir dem Wald begegnen und ihn schützen

Im Wald bewegen wir uns achtsam und respektvoll. Seine Lebewesen werden bestaunt, aber nicht angefasst oder mitgenommen. Die Früchte des Waldes, Pflanzen und Beeren, dürfen wir sammeln und lernen, sie zuzubereiten. Zum Beispiel gibt es Bärlauchbrötchen oder Brennnesseltee. Auch können wir das bunte Leben im Wald unterstützen, indem wir Insektenhotels oder Vogelhäuser bauen. Nicht immer ist der Wald friedlich und ungefährlich. Bei Sturm etwa, müssen wir uns vor den Ästen in Acht nehmen und das Totholz der Bäume kann herabstürzen. Ein Erdwespennest kann ebenso zu unangenehmen Begegnungen führen. Die Erzieherinnen kennen die Gefahren des Waldes und leiten die Kinder an. 

 

4 Die Gemeinschaft – Kinder, Erzieherinnen und Eltern

Im Waldkindergarten spielen und arbeiten Kinder, Erzieherinnen und Eltern Hand in Hand. Im Mittelpunkt stehen die Kinder. Alle Meinungen werden gehört und gemeinsam finden wir heraus, wie wir gut zusammen wirken.

 

4.1 Die Kinder

Unser Waldkindergarten ist ein Ort für Kinder im Alter von 2-6 Jahren. Damit sich die Kinder bei uns wohl fühlen und bestmöglich entwickeln können, ist es wichtig, dass wir sie gut kennen. 

4.1.1 Was wir über sie wissen und wie wir sie sehen 

Jedes Kind ist einzigartig

Für uns ist jedes Kind richtig und einzigartig. Von der ersten Sekunde ihres Seins entwickeln sich Kinder und jedes Kind tut dies in seinem eigenen Tempo und auf seine individuelle Art und Weise. Denn jedes Kind verfügt über unterschiedliche Eigenschaften und Fähigkeiten, die unterschiedlich schnell und in unterschiedlicher Abfolge ausreifen. 

Kinder entwickeln ihr Selbst

Unvoreingenommen, voller Interesse und mit hoher Motivation setzen Kinder ihre gebündelte Energie und Aufmerksamkeit darauf, ihr Selbst zu entwickeln. Sie spüren deutlich, welches Bildungsthema sie in ihrer Entwicklung voran bringt und verfolgen ihre Lernthemen mit viel schöpferischer Kreativität. Handlungsspielräume eröffnen sich, Grenzen (eigene und die von anderen) werden sichtbar. Die Kinder legen ein Selbstbild von sich an, welches sich in der Interaktion mit ihrer sozialen Umwelt ständig verändert. 

Kinder lernen selbsttätig

Kinder lernen mit Hand, Kopf und Fuß. Sie möchten sich ein Bild von der Welt machen und die Welt mit allen Sinnen kennen und begreifen lernen. In den ersten Jahren erschließen sich Kinder ihre Welt vor allem über Bewegung und Spiel. Kinder knüpfen hierbei an bereits vorhandene Erfahrungen und Vorstellungen an, sie verändern angelegte Theorien und bilden neue. 

Was Kinder dazu brauchen

Damit Kinder ihren Entwicklungsaufgaben folgen und ihr Potenzial erfolgreich entwickeln können, brauchen sie ein unterstützendes Umfeld. Kinder, die von ihren erwachsenen Bezugspersonen Liebe, Wertschätzung und Beständigkeit erfahren, haben ein gutes Fundament, auf dem sie sich entwickeln können. Klarheit, Raum und Orientierung geben Kindern Sicherheit, durch die sie sich bestärkt in neue Situationen begeben können. Zuversicht und Freiraum geben Mut, eigene Erfahrungen zu machen und Fehlschläge positiv zu verarbeiten. So unterstützt, können Kinder sich in der sozialen Gemeinschaft immer wieder neu ausprobieren und finden.*1

 

4.1.2 Zweijährige Kinder im Wald

Die Aufnahme von Kindern unter drei Jahren und die damit einhergehende größere Altersmischung im Waldkindergarten Brühl wird von allen Mitarbeiterinnen getragen und als positiv erlebt. Untersuchungen beschreiben die förderlichen Auswirkungen altersgemischter Gruppen auf Gruppenfähigkeit und Sozialverhalten. Kinder in altersgemischten Gruppen zeigen früher Selbstständigkeit und Selbstsicherheit als Kinder in altershomogenen Gruppen. 

Zweijährige im Kindergarten brauchen mehr Überschaubarkeit. Wir unterstützen sie durch: Eine feste Eingewöhnungsperson, eine individuelle Verweildauer im Waldkindergarten, eine altersgleiche Kleingruppe und wiederkehrende Rituale und Strukturen. Zweijährige zeigen großes Interesse an anderen Kindern, brauchen aber, noch mehr als ältere Kinder, Zuneigung und körperliche Nähe.

 

4.1.3. Eingewöhnung im Waldkindergarten

Der Einstieg in den Kindergarten ist für Kind und Eltern ein aufregender Schritt. Das Kind muss sich von seinen bisherigen Hauptbezugspersonen trennen und neue Beziehungen zu bisher unbekannten Menschen zulassen. Dies ist eine wichtige und äußerst anspruchsvolle Entwicklungsaufgabe. Damit dies gelingt, braucht das Kind vor allem in der Anfangszeit Unterstützung. Den ersten Abschnitt der Eingewöhnung verbringt das Kind gemeinsam mit einem Elternteil im Waldkindergarten. Das Kind  kann so gestärkt in die neue Situation gehen, die Vielfalt der Eindrücke besser verkraften und offener den Erzieherinnen und Kindern begegnen. 

Je nachdem, wie sich das Kind in den ersten Stunden im Waldkindergarten verhält und die Erzieherin erste Kontakte zu dem Kind knüpfen kann, wird die individuelle Verweildauer für die ersten Tage festgelegt und gemeinsam überlegt, wann die erste kurze Trennung von den Eltern möglich scheint. Wenn das Kind die Trennung von den Eltern gut verkraftet, wird in täglicher Absprache zwischen Eltern und Erzieherin die Dauer der Trennung nach und nach verlängert. 

Die Eingewöhnung ist abgeschlossen, wenn das Kind sich nach dem Abschied von den Eltern von der Erzieherin trösten lässt, Interesse an anderen Kindern und deren Aktionen zeigt und zu spielen beginnt. Das kann bereits nach vier Tagen, aber auch erst nach vier Wochen oder später der Fall sein. 

Jedes neu aufgenommene Kind bekommt zur Eingewöhnung „seine“ Bezugserzieherin zur Seite gestellt, die – zumindest bis es voll integriert ist – seine vorrangige Ansprechpartnerin und Kontaktperson ist. Sie führt das Kind in die Gruppe ein und gewinnt langsam aber sicher an Bedeutung, während die Bedeutung der Eltern-Anwesenheit immer geringer wird.

  

4.1.4 Inklusion  

Alle Kinder sollen die Zeit im Wald genießen können. So können auch besondere Kinder den  Waldkindergarten Brühl e.V. besuchen.  

 

 

4.2 Die Pädagogischen Fachkräfte

4.2.1 Wie wir uns sehen, wie wir arbeiten

Die Erzieherin versteht sich als mitlernende Person, die gemeinsam mit Kindern, Kolleginnen und Eltern auf Entdeckungsreise geht. Sie verfügt über einen pädagogischen Optimismus, da in einer heiteren Atmosphäre die kindlichen Lernstrategien am besten zum Tragen kommen.

 

Die Erzieherin ist den Kindern zugewandt

Im Waldkindergarten hat jedes Kind eine Bezugserzieherin. Einfühlsam begegnet sie jedem Kind und zeigt sich als zuverlässige Begleiterin. Auch nach der Eingewöhnungsphase achtet die Erzieherin darauf, ob sich ihre Bezugskinder in der Kindergartengruppe sicher und geborgen fühlen. Die Erzieherin ist Rückzugsort, Spielpartnerin, Trostspenderin, Kletterhilfe, Tippgeberin, Quatschpartnerin,… Mit viel Gespür begegnet sie den Kindern und lotet aus, wann sie Kindern eine begleitende Hand reicht und wann sie sich zurücknimmt, damit die Kinder sich selbstständig erproben können.

 

Die Erzieherin kennt die Kinder

Die Erzieherin beobachtet die Kinder aufmerksam, spontan und gezielt. Sie berücksichtigt hierbei die Lebenswelt des Kindes. So erforscht und entdeckt sie die Kompetenzen des Kindes, erfährt, welche Bildungsaufgaben sich das Kind aktuell selbst stellt und welche Themen es bearbeitet. Hierüber befindet sie sich in regelmäßigem Austausch mit dem pädagogischen Team und den Eltern des Kindes.

 

Die Erzieherin gibt den Kindern Raum und Zeit

Im Waldkindergarten haben die Kinder ausreichend Zeit, sich im selbstbestimmten, eigentätigen Freispiel zu erproben. Die Erzieherin achtet die Verschiedenheit und Vielfalt der Kinder. Sie ermöglicht den Kindern, sich in ihrem eigenen Tempo zu erproben. Dabei verliert sie die Gruppe und die Bedürfnisse der Gemeinschaft nicht aus dem Blick. Die Kinder werden an Entscheidungen, die sie selbst und das Leben in der Gemeinschaft betreffen, beteiligt. Kinder, Erzieherinnen und Eltern finden gemeinsam Lösungen für Probleme.

 

Die Erzieherin unterstützt die Kinder

Die Erzieherin betrachtet jedes Kind individuell und überlegt in Rücksprache mit Kolleginnen und Eltern passende Bildungsangebote. Sie plant gemeinsam mit den Kindern, ihren Kolleginnen und Eltern wie sie Bildungsziele in Projekten umsetzen kann. Durch Spiele, anschauliche Wissensvermittlung, Wahrnehmungsübungen, Bauen, Gestalten, über Kunst und Geschichten wird Interesse geweckt und ökologisches Verständnis gefördert. Durch pädagogische Anregungen werden soziales Miteinander und das Erleben der Einzelnen in der Gruppe miteinbezogen. Im Waldkindergarten, einem Ort ohne Wände und Dach, gibt die Erzieherin den Kindern durch feste Strukturen und wiederkehrende Rituale Orientierung und Sicherheit (siehe Tagesablauf).

 

4.2.2 Wie wir uns vorbereiten und weiter entwickeln

„Wer kein Konzept hat, hat nichts, was er über den Haufen werfen kann.“

 

Teambesprechungen

Einmal in der Woche trifft sich das pädagogische Team zur Teambesprechung. Themen sind u.a. die Wochen- und Monatsplanung, Personalplanung, Austausch über Kinder, kollegiale Beratung. Die Teambesprechungen finden außerhalb der Kita-Öffnungszeiten statt, dauern maximal 2,5 Stunden und die Teilnahme ist für die Erzieherinnen verpflichtend.

 

Selbstreflexion und kollegiale Beratung

Selbstreflexion ist ein alltäglicher Prozess für die Erzieherin. Sie hinterfragt kritisch ihr Handeln und Denken und zieht hierbei die Meinungen und Reaktionen von Kindern, Kolleginnen und Eltern mit ein. Im gemeinsamen Gespräch erforscht sie ihre Verhaltens- und Handlungsmöglichkeiten und probiert sich immer wieder neu aus.

 

Bildungsdokumentation und Austausch mit den Eltern

Die Bezugs- und Kleingruppenerzieherin sammelt Fotos und legt Berichte zu Bildungsentwicklungen und Aktivitäten in einem Portfolio an. Nach Möglichkeit beteiligt sie hierbei die Kinder. Mit Zustimmung der Eltern schreibt die Bezugserzieherin mindestens einmal im Jahr einen Entwicklungsbericht über jedes Bezugskind. Nach Abgleich mit dem Kolleginnen bespricht sie den Bericht im Entwicklungsgespräch gemeinsam mit den Eltern des Kindes. Gemeinsam legen sie weitere Entwicklungsziele und Bildungsstrategien fest.

 

Planungstage

Mindestens an drei Tagen im Jahr trifft sich das pädagogische Team zu Planungstagen. Die drei Tage können zusammenhängend oder gesplittet stattfinden und liegen außerhalb der Kita-Öffnungszeiten. Die Teilnahme ist für die Erzieherinnen verpflichtend. Inhalte der Planungstage sind u.a.: Teamreflexion, Jahresreflexion, Jahresplanung und die konzeptionelle Weiterentwicklung. 

 

Mitarbeiterinnengespräche

Mindestens einmal jährlich trifft sich die Leiterin mit den Erzieherinnen zu individuellen Mitarbeiterinnengesprächen. Ziel des Mitarbeiterinnengespräches ist es, Feedback zu geben und zu erhalten. Die Gespräche sollen die Mitarbeiterinnen motivieren und in ihrer anspruchsvollen Tätigkeit unterstützen.

 

Fort- und Weiterbildungen

Der Träger unterstützt die regelmäßige Fort- und Weiterbildung der Erzieherinnen im Rahmen der Elementarpädagogik, insbesondere im naturpädagogischen Bereich. Die Erzieherinnen werden jährlich drei Tage zur Fortbildung freigestellt und erhalten finanzielle Unterstützung.

 

Zusammenarbeit mit dem Vorstand

Die Erzieherinnen befinden sich im regelmäßigen Austausch mit dem Vorstand. Die Personalbeauftragte des Vorstands und die Leiterin treffen sich in der Regel wöchentlich und informieren sich gegenseitig über aktuelle Themen, Projekte und Termine von Vorstand, Team, Gruppe und Einrichtung. Ziel ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit. Im Mittelpunkt stehen die Kinder und der Kindergarten.

 

Zusammenarbeit mit der Schule

Um den Kindern einen möglichst guten Übergang vom Kindergarten in die Grundschule zu ermöglichen, erweitert der Kindergarten die Zonen des Vertrauten und Verlässlichen, in dem die Erzieherinnen z.B. Hospitationen mit einer Kinderkleingruppe im Unterricht der zukünftigen Grundschulen anstreben. Der Waldkindergarten arbeitet in einem Arbeitskreis „Kindergarten – Grundschule“ mit Brühler Grundschullehrerinnen zusammen. In diesem Arbeitskreis werden Anforderungen der Schule an die Kinder und die Vorbereitung des Kindergartens auf die Schule ausgetauscht. Auf Wunsch der Eltern geben die Erzieherinnen die Bildungsdokumentation des Kindes an die zuständige Grundschule weiter und tauschen sich in der Übergangsphase mit Einverständnis der Eltern mit den Lehrer/innen über ihr Kind aus.

 

Vernetzung mit anderen Institutionen

Der Waldkindergarten ein Teil der Bildungslandschaft in und um Brühl und steht im Austausch mit verschiedenen Institutionen: (Beispiele) 

 

  • Wald-AK: Das pädagogische Team tauscht sich regelmäßig z.B. im Rahmen des „Wald-Arbeitskreises“ mit Erzieherinnen aus anderen Waldkindergärten aus. Der Waldkindergarten Brühl ist Mitglied des Landesverbandes der Waldkindergärten NRW.
  • Andere Kitas/Jugendamt: Die Leiterin nimmt regelmäßig an den trägerübergreifenden Leiterinnenkonferenzen statt, ein Vorstandsmitglied an den Trägerkonferenzen des Jugendamtes und eine Elternrätin an den Elternbeiratssitzungen des Jugendamtes.  
  • Forstamt Schnorrenberg: Der Sicherheitsbeauftragte des Waldkindergartens und die Leiterin stehen im Rahmen ihrer Möglichkeiten im Austausch mit dem zuständigen Forstamt.

 

5.3 Die Eltern

Die Mitwirkung der Eltern ist ein wesentlicher Bestandteil des Kindergartens.

 

5.3.1 Eltern als Träger des Kindergartens

Die Verantwortung für die Geschäftsführung des Kindergartens und die Belange des Vereins liegen beim Vorstand. Der Vorstand setzt sich aus 4 Vereinsmitgliedern zusammen, die eine Aufgabenverteilung vereinbaren. Jeder Vorstandsposten wird jeweils für 2 Jahre gewählt.

 

5.3.2 Eltern als wichtiger Teil unserer Gemeinschaft

Lebendige Erziehungspartnerschaft (Austausch mit den Erzieherinnen) Mehr noch als in anderen Kindergärten lebt der Waldkindergarten von der guten und partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Eltern und pädagogischem Team. Die Erziehung der Kinder wird als gemeinsame Aufgabe betrachtet, bei der sich Elternhaus und Kindergarten ergänzen. Die Eltern unterstützen die Arbeit der Erzieherinnen, indem sie z.B. die Regeln des Kindergartens auch zuhause beachten.

 

Eltern als Mitwirkende im Kindergartenalltag

Väter und Mütter sind im Kindergartenalltag willkommen z.B. zum musizieren, singen, gemeinsamen bauen etc. Die Eltern arbeiten mit, indem sie Feste mit planen und gestalten, Material besorgen, Exkursionen begleiten. Sie springen als Aufsichtsperson ein, wenn mehrere Erzieherinnen gleichzeitig ausfallen.

 

Eltern als Mitwirkende des Vereins

Jedes Elternpaar ist verpflichtet, neben den gemeinschaftlichen Aufgaben (Mitgehdienste, Festvorbereitung etc.) ein Amt zu übernehmen; sei es im Vorstand, im Elternrat oder eine andere Aufgabe.  

  • Elternrat, Der Elternrat besteht aus 3 bis 4 Personen und wird jährlich zu Beginn des Kindergartenjahres gewählt. Er vertritt die Interessen der Eltern gegenüber Vorstand und Erzieherinnen, z.B. bei der Jahresplanung. Er koordiniert die Elternmitarbeit. 

 

  • Weitere Aufgaben z.B. Hausmeister, PR, Festkomitee, Internet.

 

 

6 Die gemeinsame Bildungsaufgabe

 (noch zu ergänzen)