Waldkindergarten Brühl : Rundum lebendig

Frühling

Der Frühling ist die Zeit des Erwachens - das erleben wir im Waldkindergarten hautnah. Zuerst taut der Boden. Dann nehmen wir Woche für Woche neue Frühlingsboten wahr. Das erste Grün, die ersten Knospen, Schneeglöckchen werden freudig begrüßt. Jeden Tag entdecken wir Neues. Die erste Nacktschnecke, die erste Hummel, ein Schmetterling. Tag für Tag hören wir mehr Winterheimkehrer in den Bäumen singen. Ganze Schwärme werden am Himmel lauthals begrüßt. Alles entspannt sich. Wir haben wieder Zeit zum Verweilen und innehalten. Die Kinder vertiefen sich in ihre Entdeckungen und lassen sich viel Zeit beim Vorankommen. 

Sommer

Der Sommer ist ausgelassene Freude. Mit seinen vermehrten Schönwetterphasen und der hohen Temperatur bietet er zudem viele Möglichkeiten, Projekte durchzuführen. Neben der grundsätzlichen Bewegungsfreude der Kinder, die in dieser Jahreszeit besonders unbeschwert ausgelebt wird, bieten die Erzieherinnen verstärkt feinmotorische Tätigkeiten an. Unsere Kreativkiste begleitet uns fast jeden Tag in den Wald. Es kann nach Herzenslust geklebt, geschnitten und gefädelt werden. Wir haben Mal- und Bastelbretter als Arbeitsunterlagen, so dass wir wir im Wald jede Bastelarbeit anbieten können.

Jeden Tag hängen wir bis zu drei Hängematten auf. Diese werden intensiv als Schaukel- und Begegnungsort genutzt. Auch können sich Kinder darin zurückziehen, wenn sie ruhebedürftig sind oder allein sein möchten. Die Kinder entdecken die Bücherkiste neu und nehmen sich Zeit, zu schmökern oder lassen sich etwas vorlesen. 

Herbst

Der Herbst ist eine besonders spannende Jahreszeit. Der Wandel der Natur entfaltet sich mit Pracht und Fülle. Die Kinder sammeln in ihren Sammelbeuteln, Taschen und Rücksäcken Baumfrüchte und verarbeiten diese in ihren Spielen.

Der Herbst ist auch Erntezeit. Wir gehen Äpfel und Holunderbeeren pflücken. Wir verarbeiten das gesammelte Obst. Ob wir dieses Jahr mehr Glück haben und genug Brombeeren finden, um Marmelade einkochen zu können? Ähnlich wie Frederick, der Mäuserich in dem Buch von Leo Lionni, sammeln wir Farben. 

Winter

Der Winter ist die Rückzugsphase der Natur. Diesem Rhythmus folgen auch wir. Bei einstelligen Temperaturen frühstücken wir in unserem Bauwagen. Während längerer Kältephasen werden verstärkt Spiel, Bastel- und Leseangebote drinnen durchgeführt. Ansonsten gehen wir viel im Wald spazieren. Bewegungsspiele und Tänze werden immer wieder angeboten, damit alle warm bleiben. Aber der Winter bringt nicht nur Anstrengung und kalte Füße, sondern auch ein warmes Herz. Und das nicht nur im übertragenen Sinne. Der Körper muss richtig arbeiten, um die Zeit draußen gut zu überstehen. Jedes Kind muss lernen, sein Körpergefühl richtig einzuschätzen und auszudrücken, ob ihm warm oder kalt ist. Schwitzen kann tückisch sein, wenn man hinterher wieder abkühlt. Die Erzieherinnen unterstützen die Kinder darin, auf die Signale des Körpers zu achten und machen sie darauf aufmerksam, wann es Zeit ist, Kleidung abzulegen oder wieder anzuziehen. Auch dies ist ein Weg, eigene Grenzen wahrzunehmen, sich und seinen Körper wahrzunehmen. Das soziale Miteinander wächst, wenn alle erfahren haben, wie gemein kalte Finger sind. Die Kinder helfen sich gegenseitig beim Warmwerden, teilen die begehrten Wärmekissen und heißen Getränke.

Alle lernen die „guten“, trockenkalten Tage von den nasskalten zu unterscheiden und sich darüber zu freuen, wenn wir einen „guten“, windstillen Tag haben.

Den immer wiederkehrenden Rhythmus der Natur so intensiv zu erfahren, anstrengende Tage aushalten zu können, sich selbst einschätzen zu lernen, sind Werte, die die Kinder ihr ganzes Leben lang mit sich tragen werden. Sie finden einen eigenen Rhythmus im Einklang mit dem Umfeld. Es ist nicht immer einfach für die Kinder, die Tage im Wald zu bewältigen. Es gibt Tage im Winter, an denen wir die Kälte einfach satt haben und trotzdem wieder in den Kindergarten müssen. Auf diese Weise lernen wir, mit Frustration umzugehen. Aber umso mehr wird dann die Sonne begrüßt, die Wärme genossen. Wir haben eine Herausforderung bewältigt und werden mit mehr Bewusstsein für uns und unsere Umwelt belohnt. Auch Sozialkompetenzen haben wir dadurch erworben. Dies gehört zu dem Handwerkszeug, das die Kinder mit ins Leben nehmen. Es kann ihnen helfen aufrechte, verantwortungsbewusste, glückliche Menschen zu werden.

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15.12.2017 16:00 - 16:25

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24.12.2017